Update August 2022

 

Die Rückkehr der Geopolitik: Systemkonfrontation und neue Konfliktordnung in Europa

 

NfE e.V. im Gespräch mit Dr. Jana Puglierin, Leiterin des European Council on Foreign Relations in Berlin 

 

Der russische Großangriff auf die Ukraine ist im Westen als Zäsur begriffen worden, der die Zeit in ein Davor und ein Danach geteilt hat. Mit dem Angriffsbefehl auf die Ukraine hat Wladimir Putin die europäische Friedensordnung nicht nur erschüttert, sondern regelrecht zertrümmert. Militärische Gewalt als Modus der Willensdurchsetzung ist zurück in Europa. Damit ist eine neue Konfliktordnung entstanden, wie es sie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa noch nicht gegeben hat. Noch zeigt sich der Westen geschlossen gegen Putin. Auch die Staats- und Regierungschefs der G7 haben erst kürzlich ganz klar das Zeichen für eine dauerhafte Unterstützung der Ukraine gegeben. Jana Puglierin ist überzeugt, dass es Putin um eine groß angelegte Revision der europäischen Ordnung geht. Nie sei es ihm nach dem Zerfall der Sowjetunion ernsthaft um eine Einbindung der Russischen Föderation in eine europäische Friedensordnung gegangen, analysiert sie. Deshalb müsse man jetzt Mittelosteuropa vor Russland schützen. 

 

Demokratie versus Autokratie? So einfach sei es nicht, sagt die Leiterin des Berliner Büros des European Council on Foreign Relations, denn viele Staaten gehörten weder eindeutig dem einen noch dem anderen Lager an. Puglierin spricht zwar nicht von einem „Kalten Krieg 2.0“, aber sehr wohl von einer Dynamik in Richtung „Systemkonfrontation“ zwischen der „G7-Welt“ und der „Brics-Welt“ sowie einer massiven Rückkehr der Geopolitik. Mit Blick auf das aggressive Russland spricht sie davon, dass es für Europa in Zukunft um das „Management einer Konfliktordnung“ gehe. 

 

Dazu passt, dass der russische Präsident auf der internationalen Bühne keineswegs isoliert ist und sich eine Vielzahl von Staaten vor allem des Globalen Südens den Sanktionen des Westens erst gar nicht angeschlossen haben. Die wenigsten Länder dort wollen sich in diesem Konflikt also eindeutig auf eine Seite schlagen. Es wird in Zukunft für den Westen darum gehen, genau diese Staaten von den Vorteilen einer regelbasierten internationalen Ordnung zu überzeugen, sagt die Expertin Jana Puglierin.

 


Protokoll Sommerfest am 26. Juli 2022

Beginn: 19:30

Ende: 22:00 

 

Anwesend: Dr. Hartmut und Bärbel Welck, Hartmut und Karine Welck-Montagne, Jil Janssen, Caroline Lony-Zeithammer

Gäste: Oksana Mamina (Kiew), Dr. Stefanie Woite-Wehle (ehemalige Leiterin von Europe direct Stuttgart) und Sebastian Hoch (Pulse of Europe) 

Entschuldigt: Pia Günter, Johannes Graf Adelmann, Sebastian Richter, Kilian Barth, Nürgul Han, Rainer Wieland (MdEP), Lana Meyer (Europe direct Stuttgart) 

 


Foto 1: Caroline Lony-Zeithammer mit Dr. Stefanie Woite-Wehle

Foto 2: Oksana Mamina im Gespräch mit Sebastian Hoch (PoE)

 

Bei herrlichem Sommerwetter und einem reich bestückten, bunten Büffet haben wir uns intensiv ausgetauscht. Schwerpunktthema war der Krieg in Ukraine. Unser Gast, Oksana, hat über ihre Flucht aus Kiew bzw. Krementschuk berichtet, über ihre Ankunft in Stuttgart, ihr Zurechtfinden. Ihren Mann und älteren Sohn musste sie in der Ukraine zurücklassen. Sie hat uns einen Imagefilm mitgebracht, der die Schönheit der Ukraine und ihrer Städte vor dem Krieg zeigt. 

 

 

 

Sodann haben wir mit Oksana einen Crashkurs in Sachen ukrainischer Geschichte absolviert: Kiewer Rus im Mittelalter - Kosakenstaat - Abteilung des Territoriums zwischen dem russischen Zarenreich und dem Königreich Litauen-Polen im 17. Jahrhundert - die 3 Teilungen Polens im 18. Jahrhundert mit seinen Auswirkungen auf das heutige Gebiet der Ukraine - der 1. ukrainische Nationalstaat 1917-1920 - die Eingliederung in die Sowjetunion als Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik - die Unabhängigkeit seit 1991 - der Krieg seit 2014. 

 

Wir haben alle festgestellt, wie wenig wir eigentlich bis vor kurzem über unseren östlichen Nachbarn wussten, dass die Ukraine  ein weißer Fleck auf der mentalen Landkarte gewesen ist. Der russische Überfall und der grausame Krieg hat dieses Land in die Köpfe der Öffentlichkeit katapultiert. 

 

Meinen eignen Vortrag, in dem ich an dem Abend eigentlich das Buch von Andres Kappeler „Ungleiche Brüder“ zusammenfassen und kurz vorstellen wollte, habe ich angesichts des authentischen und emotionalen Zeitzeugenberichts und der lebhaften Diskussion von Frau Mamina gerne zurückgestellt. So war es viel besser, hautnah, zum Greifen. 

 

Stuttgart, den 11.8.22                                                                   Protokoll: Dr. Astrid Gehrig 

 


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